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Liebe Eltern, liebe Leserin und lieber Leser!
Wir möchten mit diesem zweiten Artikel mit Ihnen auf eine Reise gehen, die vielleicht dazu führt, dass sich ein neues Verstehen und damit ein neuer Umgang mit den kindlichen Bildern entwickelt.
Begonnen wurde mit der Darstellung der Entwicklungsstufen
Und nun folgt etwas über wichtige Verhaltensweisen und Bedingungen bzw. stützende Merkmale zu diesen Thema.
Nach dieser dritten Phase verlieren die meisten Kinder im Laufe ihrer folgenden Entwicklung den unverstellten, spontanen Umgang durch ein Bild zu „sprechen".
Die anstehende „Kunsterziehung" in der Schule berücksichtigt allzu oft viel zuwenig die dem Kind eigenen Mal- und Zeichenwelt. Eine einseitige Betonung der intellektuellen Fähigkeiten lässt den schöpferischen Phantasiekräften keinen Platz mehr. Diese Fähigkeit verkümmert und vielleicht gehören auch Sie zu den Erwachsenen die behaupten "Ich kann nicht malen".
In unserem, wie auch im Umgang anderer vertrauter Personen mit dem Kind ist es unerläßlich, sich immer wieder in die „ Welt des Kindes „hineinzuversetzen". Wir leben nicht in der Welt der Kinder und so sind uns vielleicht einige Sichtweisen fremd geworden. Wollen wir die Sprache der Kinder verstehen, müssen wir ihre Bilder verstehen.
Die kindliche Zeichnung ist ein Verständigungsmittel, in das ein Kind „ Botschaften oder Nachrichten „hineinmalt". Dabei bedient das Kind sich je nach Alter und Fähigkeiten verschiedener Möglichkeiten.
Das Kind zeigt uns in seinen Bildern immer das, was es für wichtig und wesentlich hält. Malt es eine Serie von Bildern zu demselben Thema, so ist dies zur Zeit wichtig.
Darüber kann sich das Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten auch durch Worte mitteilen, bzw. der Erwachsene kann dies Thema auch ansprechen. Kinder halten so lange an einem Wiederholungsthema fest, bis sie sich „frei gemalt" haben.
Das Malen ist eine Möglichkeit des Kindes sich mit Freude, Trauer, Wut, Angst ... auseinanderzusetzen und dies vor allem in der Zeit, wo es dies mit der Sprache noch nicht kann.
Leider spielen Kinderbilder zunehmend eine untergeordnete Rolle, wenn es um das Verstehen der Kinder geht, denn es gibt notwendige Voraussetzungen zum kreativen Malen, die nur noch wenigen Kindern zur Verfügung gestellt werden, weil die Erwachsenen es für nicht zu wichtig erachten.
Dazu gehören:
Zeit
Kinder haben einen eigenen Zeitrhythmus und die Zeit ermöglicht es dem Kind sich mit eigenen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen.
Ruhe
d.h. keine zusätzlichen Geräusch oder Bildangebote (z.B. der Fernsehapparat).
Platz
an dem sich das Kind ausbreiten kann und der die Blicke nicht ablenkt.
Malutensilien / Materialien
sollten begrenzt werden nach dem Motto „Weniger das Viele als viel mehr das Wenige". Dem Kind ist mit einer Riesenauswahl an Materialien, die nicht geordnet vorliegen nicht geholfen. Übersichtlichkeit und eine kleine Auswahl ist erforderlich. Malmaterialien wie Wasserfarbe, Fingerfarbe, Buntstifte sollten je nach Vorliebe des Kindes berücksichtigt werden.
Größe/ Qualität des Papiers
So unterschiedlich wie die Kinder sind, so unterschiedlich wählen sie die Papiergrößen. Es hat viel mit der kindlichen Persönlichkeit zu tun. Beobachtbar ist es, daß ängstliche oder zurückhaltende Kinder eher kleine Blätter bevorzugen. Kinder mit starken Ausdruckswert lieben große Papierflächen. „Abfallpapier" ist kein geeignetes Malpapier. Der Maluntergrund sollte immer ohne Aufdrucke oder Farbe sein.
Verzicht auf Schablonen
Da trifft das Sprichwort „ Wer mit Schablonen arbeitet, der denkt auch in solchen" sicherlich zu. Schablonen sind Zeichenhilfen, die vorgeben was richtig und was falsch ist. Die eigene Phantasie verkümmert und der Wunsch Pablo Picasso´s im hohen Alter malen zu können wie ein Kind, ist als Wunsch zu verstehen, die Richtigkeitskriterien der „ Erwachsenen" nicht beachten zu müssen.
Wertschätzender / respektvoller Umgang mit dem Bild
Sollte von jedem Erwachsenen abverlangt werden. Kinderbilder sind Zeugnisse der eigenen Erlebniswelt, die einzig und allein den Kindern gehören. Es widerspricht diesem Umgang, wenn der Erwachsene auf die Vorderseite des gemalten Werks Eintragungen wie z.B. den Namen vornimmt.
Wie das Bild vom Erwachsenen entgegengenommen wird, registriert ein Kind genau. Es wäre schön, wenn jedem Kind z.B. eine „Schatzkiste" zur Verfügung steht, wo die Bilder gesammelt werden. Vorher sollte der Erwachsene das Bild aber auch mit Ruhe betrachten, es als Geschenk ansehen, das nicht achtlos zur Seite gelegt werden sollte.
Sprachbegleitung statt Fragen stellen
Kinder wissen ( je nach Alter ) sehr genau was sie gemalt haben. Sie werden gekränkt, wenn der Erwachsene den gemalten Kreis als Sonne deuten und ein Ball gemeint ist.
Auch die Frage „ was das denn sein soll" ist nicht positiv. Besser wäre es, wenn der Erwachsene beschreibt was er auf dem Bild sieht, ohne Deutungen oder
Interpretationen
z.B. Ich sehe viel grün gemaltes mit bunten Flecken ... Solche Aussagen ermutigen das Kind häufig über das Gemalte zu erzählen.
Verzicht auf Vergleiche
Vergleiche lassen die individuellen Unterschiede zwischen Kindern in den Hintergrund treten und sorgen ( ungewollt ) dafür, dass das Selbstwertgefühl des Kindes verletzt wird.
Keine Korrekturen
Beim Malen gibt es kein „richtig oder falsch“, „kein gut oder schlecht“, „kein gelungen oder misslungen“ und es ist wichtig, dass ein Bild das Bild des Kindes bleibt.
„Zu früh, zu ausschließlich lehrt man Kinder,
was und wie sie hören, sehen, fühlen und denken dürfen.
Was würden sie später doch alles können,
hätten sie nicht so früh so viel gelernt.“
H.-H. Dreiske
In diesem Sinne viel Freude Ihnen und den Kindern beim Malen.
Petra Heß
Diplom Sozialpädagogin
