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Fröhlich läuft der 6-jährige Anton um die Ecke. „Hallo Frau Mandel. Was machen wir heute?“, fragt er aufgekratzt. Alice Mandel, Heilpädagogin der Interdisziplinären Frühförderstelle (IFF) in Duisburg. „Wir basteln den Karton für die Spielsachen fertig“, erklärt sie und zieht Anton eine Malschürze an. Beim Basteln und Malen muss Anton seine beiden Gehirnhälften in gleichem Maß aktivieren. Das fällt ihm oft schwer, deshalb trainiert er das spielerisch.
Dass Anton kein ganz gesundes Kind ist, merkten die Eltern schon direkt nach seiner Geburt. Die Diagnose lautete Sturge-Weber-Syndrom, eine Krankheit, die zu Gefäßfehlbildungen an Haut und Hirnhäuten führt. Etwa eines von 250.000 Kindern ist davon betroffen. Äußerlich erkennt man die Kinder an einem mehr oder weniger großen „Feuermal“ im Gesicht. Hauptsymptom des Sturge-Weber-Syndroms sind epileptische Anfälle, die zu Lähmungen, Entwicklungsstörungen bis hin zu geistiger Behinderung führen können. Bereits mit fünf Monaten hatte Anton seinen ersten epileptischen Anfall. Er ist deshalb unter ärztlicher Kontrolle und erhält Medikamente. Neben der medikamentösen Behandlung ist er seit seinem 18. Lebensmonat auch in der heilpädagogischen Frühförderung. Hier werden alle seine Sinne und Fähigkeiten angesprochen und jeweils passend zum Entwicklungsstand geeignete Fördermaßnahmen ergriffen. Im Juli 2008 ist er in die IFF gewechselt und erhält seither weitere Förderung in der Motopädie, die seinen schlecht ausgeprägten Gleichgewichtssinn stärken soll. Antons Mutter begründet den Wechsel: „Wir waren vorher zur Frühförderung, zur Krankengymnastik und zur Ergotherapie, aber die Behandlungen war insgesamt nicht aufeinander abgestimmt. Da fehlte einfach eine Koordinationsstelle, die die Fäden in den Händen hielt.“
Diese Lücke schließt seit dem 1. Juni 2008 die IFF, die erste Einrichtung dieser Art in Duisburg. Sie bietet unter einem Dach ein abgestimmtes Diagnostik- und Behandlungsangebot für Kinder und deren Familien, die entwicklungsauffällig, behindert oder von einer Behinderung bedroht sind. Das multiprofessionelle Team besteht aus Kinderarzt, Pädaudiologe, Psychologe, Heilpädagogen, Physiotherapeuten sowie Moto- und Logopäden. Behandelt werden alle Entwicklungsauffälligkeiten und -störungen sowie Behinderungen in der Motorik (z.B. krabbeln, laufen), der Wahrnehmung (z.B. hören, fühlen), der Selbstständigkeit (z.B. anziehen) und dem Sozialverhalten (z.B. spielen). Die Betreuung und Förderung beginnt dabei unmittelbar nach der Geburt und kann bis zum Schulbeginn andauern. Die Trägerschaft haben die Malteser St. Anna gGmbH und die Lebenshilfe Heilpädagogische Sozialdienste gGmbH gemeinsam übernommen. Standort der IFF ist die Ruhrorter Straße 13 in Duisburg-Homberg.
Für Antons Familie ist die Förderung aus einer Hand in der IFF eine große Entlastung: „Anton erhält alle notwendigen Fördermaßnahmen an einem Ort. Das Team bespricht jede Behandlung für jedes Kind, tauscht sich untereinander, aber auch mit dem Kindergarten aus und schlägt die nächsten Schritte vor. Denn ich als Mutter kann das oft nur schwer beurteilen. Und ich muss weniger durch die Gegend von Praxis zu Praxis fahren. Das spart uns allen viel Zeit und Energie. Schließlich hat Anton ja auch noch zwei Schwestern, die dürfen ja auch nicht zu kurz kommen“, gibt Antons Mutter zu bedenken. Die Belastung für die gesamte Familie ist groß, wenn ein Kind behindert oder entwicklungsverzögert ist. Deshalb bietet die IFF auch psychologische Unterstützung und Beratung für Eltern und Geschwister an. Das nimmt Antons Mutter bei Bedarf auch gern in Anspruch. Gerade in den letzten Wochen hat es viele Gespräche gegeben, denn Antons Zwillingsschwester wurde eingeschult, Anton wird aber erst nächstes Jahr zur Schule gehen. „Wichtig für uns als Eltern ist“, erklärt Antons Mutter, „dass wir kompetente Experten zur Seite haben, Entscheidungen über geeignete Therapien nicht alleine treffen müssen, sondern Ansprechpartner haben, mit denen wir vertrauensvoll beraten können.“
Hier sieht auch Alice Mandel einen wichtigen Ansatzpunkt, denn nur wenn Eltern und Therapeuten an einem Strang ziehen, kann eine positive Entwicklung dauerhaft gestaltet werden. „Wir überlegen als IFF-Team gemeinsam mit den Eltern, an welchen Ansatzpunkten wir das Kind „packen“ können, welche Neigungen es hat und besprechen auch die Fortschritte und Defizite. Wir fördern nicht über Druck, sondern über Interesse. Das Selbstwertgefühl der Kinder darf nicht leiden, wir wollen herausfordern, aber nicht überfordern. Unser Ziel ist, dass die Kinder stark werden.“ Anton ist da auf einem guten Weg, denn er ist in guter Betreuung und hat ein Umfeld das ihn liebevoll und aufmerksam begleitet. Er kommt gern in die IFF und hat heute schon Basketball gespielt und ist Trampolin gesprungen. Dass dies seine Motopädie-Therapiestunde war, hat ihn nicht weiter interessiert. Es hat ihm einfach Spaß gemacht. Jetzt bemalt er konzentriert und voller Hingabe mit beiden Händen seinen großen Karton mit blauer Farbe.
Kontakt IFF Duisburg: Petra Heß oder Elke Vogt , Telefon 02066 46960-0
Journalistenkontakt: Annette Debusmann, Telefon 0203 755-1602,
