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Lebenshilfe Heilpädagogische Sozialdienste gemeinnützige GmbH
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Pädagogische Informationen

Erzählen –Zuhören – Lesen lernen

Liebe Eltern, liebe Leserin, lieber Leser!

Wie Sie vielleicht schon wissen, beschäftigen wir uns in unserem Familienzentrum u.a. mit der Förderung von Kindern; immer und das heißt stets auch mit deren Wahrnehmung.

Jegliche Förderung des Kindes (zu Hause oder in der Frühförderung ) ist nicht dem Zufall überlassen und bedeutet immer, dass es notwendig ist, dass Zeit mit dem Kind verbracht wird, sich eine Bezugsperson mit dem Kind beschäftigt.

Alle Sinne benötigen gezielte Anreize um sich entwickeln zu können. Erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an Zeiten, wo Ihnen als Kind Geschichten erzählt oder Bilderbücher gezeigt wurden?

Das Erzählen von Geschichten (auch Märchen ) hat eine lange bedeutsame Tradition und doch scheint es so, als ob diese in unserem Kulturkreis durch die Entwicklung moderner Medien verloren gegangen ist.

Das Erzählen diente zunächst der Unterhaltung und Information. Der Wunsch des Erzählens entsprang dem Wunsch, sich anderen Menschen mitzuteilen und Kontakt aufzunehmen. Die Menschen, die Geschichten kennen, haben etwas zu erzählen. Sie besitzen einen Schatz, der seinen Wert hat, wenn sie ihn mit anderen teilen. Die Bedeutung des Geschichtenerzählens liegt sowohl in ihrem Inhalt, wie auch im Erzählprozess.

Das Erzählen ist eine Verständigungsbrücke und schafft Beziehung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind. Zudem ist es eine Möglichkeit dem Kind Anreize zu geben, seiner wachsenden Wissbegier entgegen zu kommen. Jedes Kind hat dabei seine eigenen Wünsche und Interessen, die Sie sicherlich am Besten beurteilen können.

Ebenso bedeutend ist dabei auch die Alters- oder besser gesagt Entwicklungsstufe des Kindes, nach der es sich bei Buch und Geschichtenauswahl zu richten gilt. Das Kind sollte dabei die Freiheit haben, unter Angeboten auswählen zu können.
Wir möchten Ihnen heute die Bedeutung des Erzählens von Geschichten in Erinnerung rufen. Meist wird mit ausgewählten Erzählbüchern der erste Kontakt des Kindes zur Literatur hergestellt. Mit der gezielten Auswahl eines Buches können Sie ihr Kind z. B. auf zu erwartende Ereignisse in seinem Leben vorbereiten.

Wir nennen dies das situative Lernen. Selbstverständlich ist die Motivation des Kindes, sich mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen, der entscheidende Moment bei der Auswahl des Buches und günstig für das Lernen. Richten Sie sich mit Feingefühl und Gespür nach den Wünschen des Kindes, gewinnt es Selbstständigkeit und Selbstsicherheit.

Das Entwicklungsalter ist entscheidend für den Maßstab, welche Geschichte dem Kind angeboten werden soll. Beim Vorlesen erleben Sie das Kind als „ hörend “. Es folgt ihren Worten und dem Verlauf der Geschichte. Dabei werden Beziehungen zwischen einzelnen Informationen hergestellt, und das Kind versucht die Handlungsweise der auftretenden Menschen und Tiere zu verstehen.
Je jünger ein Kind ist, umso mehr identifiziert es sich mit dem Geschehen. Deswegen sind Geschichten aus dem Lebensalltag zunächst bedeutender als z. B. Märchen.

Beim Erzählen oder Vorlesen hören Kinder gebannt zu. Die vorbeirauschenden Worte erzeugen einen inneren Bilderstrom, dem das Kind sich hingibt. Fantasie und Kreativität werden mit inneren Bildern genährt (Fernsehen schauen hingegen ist ein äußerer Bildstrom, der durch zu lange Fernsehzeiten die innere Bilderzeugung hemmt).

Geschichten mit dem Kind zu erfinden, ist eine weitere Variante. Hierbei ist die eigene Fantasie gefragt. Dies kann damit beginnen, dass Sie den Anfang einer erdachten Geschichte erzählen und das Kind die Geschichte fortführt. Das Kind entwickelt eigene Gedanken und Vorstellungen. In dem Miteinander wird auch das Bedürfnis des Kindes nach Nähe befriedigt und Sprache gelernt.

Das erste gesprochene Wort ist das Ergebnis der Bindung zwischen Kind und den Personen der Umgebung. Darin drückt sich das Bedürfnis nach sozialem Kontakt aus. Das Kind versteht Worte schneller, als es diese sprechen kann. Sprachen lernen findet aber auch nur statt, wenn gesprochen wird. Das Kind nimmt die Sprachmuster des Erzählenden auf, ahmt sie nach und entwickelt eigene Sprachmuster - eine kreative Leistung, bei der seine Intelligenz reift. Hinzu kommt, dass Kinder, denen Geschichten vorgelesen werden, begieriger sind, das Lesen zu erlernen als eben Kinder, denen nicht vorgelesen wird.

Wenn Sie also Ihrem Kind bisher wenig erzählt oder vorgelesen haben, ist der beste Tipp:

Einfach damit anfangen!

Die Reaktion Ihres Kindes wird Sie dann ermutigen, es immer wieder zu tun.

 

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